Über mich Hygienehandbuch Kompetenz-Netzwerk-Hygiene RT 59 Westfalen-Mitte Links

Vorwort

Die Pflege und Betreuung alter Menschen nimmt zunehmend ein höheren Stellenwert in der Bevölkerung ein. Nicht zuletzt dadurch werden hohe Anforderungen an stationäre Pflegeeinrichtungen gestellt. Historisch in den heute geführten Einrichtungen ist in den meisten Fällen lediglich der Name.

Das hat viele Gründe, die sowohl aus der demographischen Entwicklung als auch aus wissenschaftlichen Erkenntnissen abzuleiten sind. Die sozialen Bindungen des Begriffs "Familie" haben eine neue Definition erfahren; der Zusammenhang einer Großfamilie in klassischem Sinne ist weitestgehend entfallen und damit auch das soziale Auffangnetz für ältere und pflegebedürftige Menschen. Dies zeigt sich deutlich in der Einführung der Pflegeversicherung, mit der durch den Staat - in Form der sogenannten vierten Säule der sozialen Absicherung - dieser Entwicklung gegengesteuert wurde. Die moderne Medizin und die hieraus erwachsenen höheren Lebenserwartungen der Menschen haben in ihrer "Nebenwirkung" zur Folge, dass der Mensch zwar länger lebt, aber der Körper und Geist mit dieser Entwicklung teilweise nicht Schritt halten kann. Diese sozialen und medizinischen Entwicklungen haben zur Folge, dass zunehmend mehr alleinstehende, gebrechliche und kranke alte Menschen der Betreuung bedürfen.
An dieser Aufzählung wird die Vielschichtigkeit der Aufgaben eines heutigen Pflegeheimes deutlich: Betreuung Hilfe Grundpflege Medizinische Behandlungspflege Diese Tätigkeiten tangieren eine Vielzahl von Aufgaben, die sich insbesondere durch die vielschichtige Bewohnerstruktur einer Einrichtung zeigen.
Eine Trennungslinie zwischen Krankenhaus und Pflegeheim verläuft somit nie gerade; zu viele Aufgaben zeigen sich als Schnittmenge und sind beiden Einrichtungen zuzuordnen. Ein Pflegeheim beschreitet daher einen schmalen Grad zwischen Wohnung einerseits und medizinischer Einrichtung andererseits, muss aber beiden Aufgaben gerecht werden.

In diesem Kontext taucht die Frage auf, ob in einem Pflegeheim Bewohner oder Patienten zu finden sind ?
Die Antwort muss also lauten: In erster Linie Bewohner, wobei es gilt den äußeren Rahmen der Räume und des Umfeldes wohnlich zu gestalten.
Diese wird deutlich, indem die Intentionen der verschiedenen Einrichtungen deutlich sind: Ein Krankenhaus hat die erstlinige Aufgabe Krankheiten zu heilen oder zu mildern, nicht dem Patienten eine Wohnung zu sein. Ein Pflegeheim hat - entgegen dem Namensinhalt "Pflege" - erstlinig die Aufgabe eine Wohnung für die Bewohner zu sein. Gerade dieser Umstand macht deutlich, dass in einem Pflegeheim nicht überall die rein pragmatischen und nur an den Sachinhalten festgemachten "Hygieneansprüche" gelten können und sollen, wie dies bei einem Krankenhaus sicherlich sinnvoll und erforderlich ist.

Die erstlinige Funktion der Wohnung darf aber nicht über folgende Tatsachen hinweg täuschen: In einem Heim wohnen eine Vielzahl von Menschen, die teilweise mit unterschiedlichsten körperlichen und auch geistigen Beeinträchtigungen behaftet sind. Durch diese Vielschichtigkeit kann es zu einer Belastung der Einrichtung - und damit auch zu Infektionen anderer Bewohner und auch der Mitarbeiter - mit Krankheitserregern kommen. Da naturgemäß ältere und gebrechliche Menschen über ein schwächeres Immunsystem verfügen, ist auch hier ein Grund zu besonderen Schutzmaßnahmen gegeben, um Infektionen zu vermeiden. In einem Pflegeheim werden aber auch Aufgaben erledigt, die unter medizinischen Grundlagen zu erfüllen sind: Dabei gilt, dass überall da, wo die Altenpflege gleichzusetzen ist mit Krankenpflege, auch die Hygieneregeln der Krankenpflege anzuwenden sind, um Fremd- oder Eigeninfektionen zu vermeiden. Die Hygiene dient also allein der Vermeidung von Infektionen.

Unter Infektionen ist das Eindringen von Krankheitserregern in den menschlichen Körper zu verstehen, wobei sich diese Erreger im Körper vermehren und zu einem regelwidrigen Körperzustand - Krankheit - führen können.
Infektionsgefahren lassen sich durch Maßnahmen der Hygiene als Prävention mildern oder ausschließen. In Bewußtsein dieser Tatsachen sind an die Hygiene eines Pflegeheimes besondere Anforderungen zu stellen, die dem Schutz der Bewohner als auch dem Schutz der Mitarbeiter dienen.
Die im folgenden dargestellten Inhalte und Verhaltensregeln sind erstlinig den Hygieneanforderungen an Krankenhäuser entnommen und den Anforderungen an ein Pflegeheim angepaßt; dabei wurde die Anpassung unter dem Motto "Soviel wie nötig, sowenig wie möglich" erstellt.
Die aufgezeigten Verhaltensregeln sind als Dienstanweisung zu verstehen, an die sich alle Mitarbeiter zu halten haben.
Dieser Plan soll zum einen das Bewußtsein für das persönliche Handeln und dessen gute wie auch möglicherweise negative Konsequenzen wecken und aufzeigen, wie mit persönlichem Verhalten - ohne viel Aufwand - eine Vielzahl von Gefahren für die Bewohner und auch für die Mitarbeiter selbst ausgeschlossen werden können.
Die im folgenden aufgezeigten Regeln dienen also dem Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter gleichermaßen.
Zur Umsetzung und Überwachung dieses Hygieneplanes sind die jeweiligen Betriebsbeauftragten aber in erster Linie die Mitarbeiter in Eigenverantwortung zuständig.
Hygiene ist eine der Grundlagen für eine qualitative hochwertige Medizin und Pflege. Die Hygiene soll als gleichwertiges Arbeitsgebiet zur Medizin und Pflege sehen werden.

Im folgenden werden drei Qualitätsstufen für die Altenheimhygiene zugrunde gelegt: Strukturqualität Prozessqualität Ergebnisqualität Die Strukturqualität innerhalb des Altenheimes lässt sich in fünf Hauptmerkmale unterteilen:

Organisatorische Voraussetzungen
Schwerpunkte: Interne und externe Organisations- und Kooperationsstrukturen und Überwachung der Funktionsabläufe, das Ziel soll sein, die Prozesse transparenter und verständlicher zu machen.

Personelle Voraussetzungen
Schwerpunkte: Sie müssen in der Hygiene ausreichend, zweckmässig, wirtschaftlich und ganzheitlich bestimmt werden, dabei bilden der Umfang des Leistungsspektrums und die Grösse der Einrichtung eine entscheidende Rolle.

Informative Voraussetzungen
Schwerpunkte: Ein funktionierendes Kommunikationsgefüge für einen schnellen, verständlichen und richtigen Austausch von Informationen, um Behandlungsfehler, Betreuung und unnötige Wartezeiten gering zu halten.

Baulich-funktionelle Voraussetzungen
Schwerpunkte: Einhaltung der Heimmindest Bauverordnung und Berücksichtigung der baulich-funktionellen Voraussetzungen aus hygienischer Sicht. Bei Um- und Neubauten sollten dabei den veränderten Bedingungen im Sinne der Infektionsprophylaxe Rechnung getragen werden.

Aus-, Fort- und Weiterbildung
Schwerpunkte: Im Rahmen der Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Altenheim-infektionen ist die Gesamtstruktur eine interne und externe Aus-, Fort- und Weiterbildung als unverzichtbar anzusehen. Ziel muss sein, die auftretenden hygienischen Probleme und notwendigen Maßnahmen kennen und beherrschen lernen.

Die Prozessqualität soll die Arbeitsabläufe durch Handlungsanleitung charakterisieren und somit einen Standard liefern, der auf die Frage " Was tue ich wie und womit " eine Antwort gibt. Prozessqualität umfasst damit die formulierenden Hygienestandards, Hygienepläne, Hygieneabläufe und Dienstanweisungen, die für das Erbringen der Gesamtleistung unumgänglich sind.

Die Ergebnisqualität sollte schließlich die Frage "Mit welchem Erfolg habe ich es getan?" beantworten. Unter Betonung der Zukunftsaspekte sollte das definierte, geplante und gewollte Resultat dargestellt werden.

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